Auf diesen Seiten ging es ursprünglich um den USB Simulator. Ein USB Simulator ist eine Funkfernsteuerung, mit der man am PC beispielsweise den RC Modellflug erlernen kann. Hierzu gibt es viel Software, RC Flugsimulator als Stichwort. Dieses Hobby ist jedoch nicht mehr aktuell, zum fliegen komme ich nicht mehr.



Damit die Seite nun nicht im Netz versandet (immerhin muss ich sie als Teil meines 1&1-Inklusiv-Paketes ohnehin behalten), soll es nach dem Modellflug und den RC Flugsimulatoren nun um die Veröffentlichung von etwas Theorie zum Thema Aphasie und Kommunikation gehen.

Empathie als wichtige Voraussetzung bei der Sprachtherapie

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit (mit dem späteren Ziel der Eröffnung einer Praxis für Logopädie, siehe hier) sind einige Dinge zum Thema Kommunikation zusammengetragen worden, die hier gekürzt wiedergegeben werden. Ein weiterer Verweis soll auf einen Empathie Test gegeben werden (siehe hier). Empathie und Kommunikation sind zwei verwandte Themen, eine besondere Empathie wird sich immer auch auf den Austausch mit Gesprächspartnern auswirken. Nun aber weg von der Empathie, hin zur Kommunikation:

...Zumal erneut, je nach theoretischer Gewichtung, unterschiedliche Definitionen existieren, wähle ich jene aus, die für die Arbeit von Relevanz sind und mit dem zugrunde gelegten Menschenbild, sowie mit den erkenntnistheoretischen Annahmen kooperieren. Zur Bestimmung des Begriffs ist meiner Meinung nach gleichermaßen eine Klärung des Terminus `Interaktion` notwendig.


Bruner versteht Kommunikation, ebenso wie Sprache, als Interaktionsformen. Den Begriff der `Interaktion` definiert er als „gegenseitiges Bezugnehmen von Partnern durch Handlungen und Sprache, die so aufeinander einwirken, d.h. eben `interagieren`.“ Wenn Kommunikation also eine Interaktionsform darstellt, bedeutet dies, dass sie eine Form gegenseitigen Bezugnehmens und Aufeinandereinwirkens von Partnern durch Sprache und Handlungen darstellt. Der Begriff der ´Handlung` spielt demnach offenbar eine bedeutsame Rolle. Maturana/Varela formulieren bezüglich des Operierens von Mitgliedern sozialer Systeme: „als Kommunikation bezeichnen wir jene Koordination des Verhaltens, die aus der sozialen Koppelung resultiert, das gegenseitige Auslösen von koordinierten Verhaltensweisen.“ In dem hier von koordinierten Verhaltensweisen gesprochen wird, was somit aufeinander abgestimmtes, planmäßiges und intentionales Verhalten meint, kann laut Graumann der Begriff des `Handelns` verwendet werden. Kommunikation ist demnach aufeinander abgestimmtes Handeln und Auslösen von Handeln, was Heidtmann als „sich mitteilen, sich verständigen“ beschreibt. Der Definition von Interaktion nach Bruner folgend richtet sich der Blick, wenn von Interaktion gesprochen wird also auf die wechselseitigen Prozesse des Handelns bzw. der Kommunikation. Demnach kann das kommunikative Handeln einer einzelnen Person nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss im Zusammenhang mit anderen beteiligten Personen gesehen und gedeutet werden, was wiederum stark mit den im vorangegangenen Kapitel erläuterten pragmatischen Überlegungen kooperiert. Dahinter steht der Gedanke, dass man als handelndes Subjekt mit jemandem kommunizieren kann, jedoch infolge dessen „weder die Form noch die Wirkung seiner Äußerungen (seiner Handlungen), erst recht nicht den Verlauf der interaktiven Sequenzen vollständig selbst“ bestimmt. Es entsteht vielmehr eine Struktur, „die keiner der Beteiligten selbständig hätte erzeugen können.“ Bei der Interaktion wird der Sender einer Nachricht zum Empfänger und umgekehrt. Sprache und Kommunikation stellen hierbei Handlungsweisen des gegenseitigen Bezugnehmens und Aufeinandereinwirkens dar.

Angewandt in der Logopädie in Kiel

Im Rahmen der Erläuterungen zu systemtheoretischen Annahmen wurde mit Watzlawick u. a. die sich selbst regulierende Funktion von Systemen durch Rückkoppelungsvorgänge, basierend auf interaktiven Prozessen, angesprochen. Das Vorliegen hinreichender Empathie kann hier hilfreich sein. Hall/ Fagan stellen diesbezüglich heraus, dass der Zusammenhalt eines Systems dabei durch die Beziehungen der Bestandteile des Systems und deren Eigenschaften gewahrt werde. Sie weisen somit, ebenso wie Maturana/ Varela auf die wechselseitige Abhängigkeit der Handlungen von Mitgliedern sozialer Systeme hin, die in Beziehung zueinander stehen. Mit dem Begriff der `Beziehung` ist demnach offenbar ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt von Kommunikation angesprochen.



Logopädie wird heute übrigens vierlorten angeboten. Eine Übersicht ist hier zu finden. Selbst in einer kleineren Stadt wie Kiel, finden sich diverse Praxen für Logopädie und Sprachtherapie. Zu achten ist dabei auf einen Therapeuten mit Empathie und Zugewandtheit. Aber weiter im Text: Kristen versteht Kommunikation als „die Grundlage jedes Kontaktes, jeder Beziehung, jeder Wechselbeziehung (Interaktion).“ Sie sieht in Kommunikation also nicht lediglich eine Interaktionsform, sondern sogar deren Basis, den Aufbau und die Definition wechselseitiger Beziehungen. Ebenso begreift sie Kommunikation als Grundbedürfnis eines jeden Menschen, welches nur mit Hilfe anderer in Handlungskontexten befriedigt werden kann. Auch Wunderlich stellt heraus, Kommunikation „ist nicht nur Austausch von Intentionen und Austausch von sprachlichen Inhalten, (das ist sie auch), zuallererst ist sie aber Herstellen von zweiseitigen Beziehungen, und dieses determinieren das, was Verständigungsebene genannt werden kann, von der auch erst Intentionen und Inhalte ihren praktischen Sinn in Handlungskontexten bekommen.“ Kommunikation ist demnach menschliches Handeln, das sich auf andere bezieht, in diesem Zusammenhang gesehen werden muss und erst in Handlungskontexten seinen Sinn erfährt. Watzlawick u. a. leiten daraus den Grundsatz der Unmöglichkeit nicht zu kommunizieren ab und formulieren: „Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter: Sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst.“ Bundschuh fügt basierend auf konstruktivistischen Gedanken und dem humanistischen Menschenbild einen weiteren Gesichtspunkt hinzu, indem er feststellt, dass sich jeder Mensch im Kontext zuvor beschriebener Prozesse auf dem Weg der Selbstverwirklichung befinde, da „der Mensch in jeder kleinsten motorischen Operation auf Basis vorliegender Erfahrungen neu über seine weiteren Handlungen“ entscheide. Kommunikation besitzt demnach also selbstverwirklichenden Charakter. Gleichzeitig sollte nicht außer Acht gelassen werden, was die Definition Wunderlichs neben der Betonung des Beziehungsaspekts aussagt: Kommunizieren bedeutet gleichermaßen, Informationen, Intentionen und Inhalte auszutauschen. Krawitz, welcher den Terminus `Kommunikation` entgegen der Begriffsbestimmung Bruners enger fasst, macht dies sogar zum zentralen Kriterium seiner Definitionen von Interaktion (Zueinander- Verhalten) und Kommunikation. Er meint: „Erfolgt in diesen Situationen des Zueinander- Verhaltens ein Informations- und Mitteilungsaustausch, sei es sprachlich (verbal mittels des digitalen Zeichensystems der Sprache) oder in anderer Form (nonverbal mittels analoger Signale wie Gestik, Mimik, etc.), was in aller Regel in Interaktionen zwischen Menschen der Fall ist, handelt es sich um Prozesse der Kommunikation.“


Auf Kommunikation ging schon Schulz von Thun ein...

Hier kann man mehr zur Logopädie lesen. Da ich den weiter gefassten Blickwinkel jedoch für angemessener halte, bedeutet das gemeinsame Arbeiten mit Klienten, in Beziehung zu treten, aufeinander bezogen zu handeln. Wünschenswert ist es meiner Meinung nach, dass diese Beziehung als angenehm empfunden wird, damit sie eine tragende Basis unserer Interaktion darstellen kann und somit eine wertvolle Voraussetzung für das Verfolgen gemeinsam entwickelter Ziele bilden kann. Schließlich soll der Grad der Unwissenheit und Ungewissheit bezüglich konkreter Sachinhalte reduziert werden (z.B. Daten, Terminvereinbarungen etc.). Abgesehen davon muss ich grundlegend berücksichtigen, dass es sich um Ausschnitte subjektiver Wirklichkeiten handelt, über die wir uns im Dialog austauschen werden. Es handelt sich somit um individuell konstruierte und damit `gefärbte` Realitäten, womit ich zu der von mir als ausschlaggebender bezeichneten Beziehungsebene zurückkomme. Der Schlüssel zum Verständnis des anderen kann meiner Meinung nach besser gefunden werden, wenn es eine tragfähige Beziehung ermöglicht, offen, vertrauensvoll und ohne wertende Vorbehalte miteinander zu kommunizieren. Tigges-Zuzok drückt dies folgendermaßen aus: „Nur in einer partnerschaftlichen Patient- Therapeut- Beziehung gedeiht Kommunikation.“ Speziell in Bezug auf die Kommunikation mit von Aphasie betroffenen Menschen betont sie, dass zunächst das Zuhören und Sich-Einlassen mit dem Klienten im Vordergrund des Dialogs stehe, was dann das gemeinsame Planen und Handeln, sowie „das für den Erfolg der Therapie entscheidende Maß an Zuversicht, Geduld und Ausdauer“ ermögliche. Im Sinne der lateinischen Wurzel des Begriffs Kommunikation, verstehe ich kommunikative Prozesse also primär unter dem Aspekt „communico“ – „Ich mache gemeinsam, teile“.